Traditionsbetrieb feiert Jubiläum – 300 Jahre Firma Dörge

OSTERODE (red). Als der Grobschmied Jobst Friedrich Dörge im Jahr 1726 vor dem Marientor am damaligen Wallgraben seine Schmiede gründete, führte die bedeutende Harzrandstraße von Königsdahlum nach Nordhausen direkt auf das Marientor der Stadt Osterode zu. Sie gehörte zu den meistbefahrenen Handelswegen im Süden des damaligen hannoverschen Herrschaftsgebietes.

 

Zahlreiche Händler mit ihren Pferdewagen sowie berittene Reisende nutzten die Gelegenheit, in der Schmiede Dörge ihre Pferde beschlagen und ihre Wagen reparieren zu lassen. Auf dem Kornmarkt fanden seinerzeit bis zu 300 Wagen Platz.

Dreihundert Jahre später reist man nicht mehr mit Pferden, sondern mit motorisierten Pferdestärken. Die Firma Dörge ist ihrer Tradition dennoch treu geblieben: Anstelle von Pferdewagen werden heute Wohnmobile, Nutzfahrzeuge und Forstmaschinen gewartet und repariert. Mit der Gründung eines Iveco-, Magirus- und Fiat-Transporter-Vertragsbetriebes am heutigen Standort An der Leege 6 erlebte das Unternehmen eine grundlegende Wandlung. Eines blieb jedoch über drei Jahrhunderte unverändert – die hohe Qualität handwerklicher Arbeit.

 

Nach den Unterlagen des Stadtarchivs befindet sich die Schmiede in der Dörgestraße 1 seit 1726 im Besitz der Familie Dörge. Sie wurde über Generationen hinweg an die männlichen Nachkommen weitergegeben, die sämtlich Schmiedemeister waren. Damit dürfte sie eine der ältesten Schmieden Niedersachsens sein, die sich bis heute im Familienbesitz befindet.

 

Zwischen dem Neustädter Tor und dem Marientor entstand einst eine Querverbindung, die zunächst „Neue Straße“ hieß. Im Jahr 1869 wurde sie in Dörgestraße umbenannt – zu Ehren von Heinrich Dörge, einem Sohn des Schmiedemeisters Jacob Dörge. Heinrich Dörge schenkte der Stadt Osterode 1.000 Taler. Die Zinserträge wurden jedes Jahr am 23. Dezember an bedürftige Bürger verteilt.

 

Später wurde die Stiftung nach seinem Vater in Jacob-Dörge-Stiftung umbenannt. Heinrich Dörge wurde zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, und die ehemalige Neue Straße erhielt seinen Namen. Die heutige Dörge & Co. GmbH trug einst den Namen Friedrich-Wilhelm Dörge & Co., benannt nach dem Großvater des heutigen Inhabers. So ist der Name Dörge seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte Osterodes verbunden.

 

Viele Osteroder erinnern sich noch an die alte Schmiede in der Dörgestraße 1 mit ihrer rauchenden Esse, wo Meister Dörge und seine Gesellen mit schweren Hämmern arbeiteten. Die über Generationen angesehene Hufschmiede entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer modernen Bauschlosserei, in der Stahl-, Metall- und Schlosserarbeiten aller Art ausgeführt werden.

 

Mit dem endgültigen Umzug in das Industriegebiet an der Leege im Jahr 1992 ging in der Dörgestraße eine Ära zu Ende. Das Areal an der Ecke Dörgestraße/Marientorstraße veränderte sich grundlegend. Die alte Schmiede sowie Teile der Werkstatt wurden abgerissen und durch eine Einkaufspassage ersetzt. Erhalten geblieben sind das Stammhaus in der Dörgestraße 1 sowie das im Jahr 1832 von Andreas Dörge errichtete Gebäude in der Marientorstraße.

 

Heute wird das Unternehmen von Diplom-Ingenieur Friedrich-Wilhelm Elsner-Dörge, dem Sohn der früheren Inhaberin Ursula Dörge-Bieske, gemeinsam mit seiner Ehefrau Birgitta Elsner-Dörge und seinem Sohn Andreas Elsner-Dörge geführt. Der Name Elsner fand Eingang in die Familiengeschichte, als Ursula Dörge den aus Hildesheim stammenden Maschinenbaumeister Gerhard Elsner heiratete. Gemeinsam entwickelten sie das Unternehmen maßgeblich weiter und schufen die Grundlage für dessen heutigen Erfolg.

 

Im Laufe der Jahre erhielt die Firma zahlreiche Auszeichnungen. Besonders hervorzuheben ist eine Anerkennungsurkunde für den vorbildlichen Einsatz in der Ausbildung junger Menschen, die vom damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens überreicht wurde.

 

Heute beschäftigt die Firma 13 Mitarbeiter, darunter einen Auszubildenden.

 

Jubiläumsjahr 2026

 

Im Jahr 2026 feiert die Firma Dörge ihr 300-jähriges Bestehen. Das Unternehmen bietet heute ein breites Leistungsspektrum an. Neben Bauschlosserarbeiten sowie Stahl- und Metallbau für Treppen, Geländer und Sonderkonstruktionen für die Industrie gehören Blechbearbeitung und individuelle Metallbauprojekte zum Angebot.

 

Im Bereich Fahrzeugservice liegt der Schwerpunkt aufgrund des heutigen Fiat-Professional-Servicevertrages vor allem auf der Wartung und Reparatur von Wohnmobilen, Nutzfahrzeugen und Forstmaschinen. Darüber hinaus fertigt die Firma Hydraulikschläuche, repariert Hydraulikzylinder und übernimmt vielfältige Reparatur-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten.

 

Nach drei Jahrhunderten erfolgreicher Unternehmensgeschichte steht die Firma Dörge damit weiterhin für handwerkliche Qualität, technische Kompetenz und die enge Verbundenheit mit der Stadt Osterode.

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Chronik - 300 Jahre Fa. Dörge
Rollup 300 Jahre - 06-2026_neu.pdf
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